Rückkehr zu den Quellen des Erdwissens

Vor 24 Jahren brachten mich Träume, die sich wochenlang wiederholten, dazu, meine Aufmerksamkeit den Nordamerikanischen Natives zuzuwenden. Ich tat dies in Form von Recherchen im Internet und auch mit mehreren Besuchen in einer großen Berliner Buchhandlung. Dort fand ich u.a. Bildbände, in denen das karge, ärmliche Leben der heutigen Indianer in den Reservaten gezeigt wurde; die Zitate und Statements ihrer Ältesten in Zusammenklang mit den Fotos rührten mich zu Tränen. Sie sprachen von der Mutter Erde und vom Großen Geist und vermittelten trotz ihrer materiellen Armut eine große Würde und Menschlichkeit… Das war der Anfang meiner Begegnung mit den Quellen der Indigenen Spiritualität.

Als ich im November 2000 Devalon Small Legs, meinem späteren Lehrer vom Stamm der Blackfoot Pikunni ( Alberta/Kanada ) gegenüber saß, fragte er mich, was er für mich tun könne. Ich antwortete – sehr verlegen – dass ich auf der Suche nach meinem indianischen Lehrer sei. Er fragte mich, ob ich eine Indianerin werden wolle, woraufhin ich – wieder verlegen – nicht recht wußte, was ich antworten sollte.

Er lachte und sagte: „Das kannst Du nicht, das ist unmöglich – aber: ich kann Dir zeigen was mich geheilt hat und du kannst diese Werkzeuge nehmen und nach Deinen eigenen Wurzeln graben „…. Dies hörte sich für mich richtig und stimmig an und diese Vereinbarung zwischen uns haben wir in den folgenden fünf Jahren, in denen ich mit ihm in Deutschland, Ungarn und Slowenien unterwegs war, um seine Ritualpraxis zu erlernen, beidseitig eingehalten.

Heute denke ich in großem Respekt und Dankbarkeit an diese Zeit zurück und es wird mir immer klarer, wie viele konkrete Werkzeuge ich damals in die dieser „Lehrzeit“ mit Devalon Small Legs erhalten habe, die mir den Zugang zum Erd-Wissen ermöglichten.

In unzähligen Schwitzhütten stärkte ich meine körperliche und spirituelle Kraft und kam in Kontakt mit den Anderswelten. Die regelmäßige Praxsis der Medizinpfeife lehrte mich das tiefe, intensive Beten. In mehreren Visionssuchen begegnete ich mir selbst, meinen Ängsten und Schwächen und ich kam in Kontakt mit meinen Spirituellen Helfern, was dazu führte, dass sich meine Träumerkraft verstärkte.

Meine größte Herausforderung auf allen Ebenen war dann die Begegnung mit dem Sonnentanz der-kreis-des-lebens.de/indianische-tradition-des-sonnentanzes/ dem Großen Heiligen Kreis; meine Rolle darin, meine Visionen und meine Initiierung zu einer Hüterin und Zurückbringerin der Geheimnisse und des Wissens vom Heiligen Kreis des Lebens, der auch als Medizinrad bekannt ist.

Experimentelle Jahre: Lernen durch Versuch und Irrtum

Als meine Lehrzeit mit Devalon Small Legs zu Ende gegangen war, begann ich meinen eigenen Ritualpraxisweg mit Schwitzhüttenaufgießen und dem Zusammenrufen von Menschen in zeremoniellen Kreisen. Redekreise, Singekreise, Trommeln…all das mit der Absicht, ein dem Sonnentanz ähnliches, aber doch vollkommen anderes, sommerliches Tanzritual – einen GROßEN HEILIGEN KREIS DES LEBENS – unter Freiem Himmel zu erschaffen: Ich nannte es Lebenstanz.

Seine Essenz ist die Wiedererinnerung der Harmonie und Heiligen Ordnung zwischen den Generationen und die Heilung der Beziehungen zwischen Frauen und Männern, die Erschaffung einer Gemeinschaft im Einklang mit der Natur. Die Lebenstanz-Rituale haben mich seit 2006 mit unzähligen Menschen in Kontakt gebracht und uns alle mit sehr kraftvollen magischen Momenten voller Schönheit und großer Einheit inspiriert und gesegnet. der-kreis-des-lebens.de/altes-ritual-neu

Durch Nichtwissen, Überforderung und Falscheinschätzung der europäischen ( besonders berlinerischen ) Ausgangssitation ist diese Zeit der Lebenstanzrituale von 2006 bis 20012 gleichzeitig aber auch gekennzeichnet gewesen von sehr viel Chaos, Egomanien, Gemeinschaftsbildungskonflikten, Verletzungen, Missverständnissen und letztendlichem Verfall der Gruppe. Es war eine Zeit des bitter-schönen Lernens durch Versuch und Irrtum, die jedoch immer noch weiter wirkt und Menschen nachhaltig berührt hat.

Neubeginn mit dem Fokus auf Heilkreisen für Frauen

Meine schwere Erkrankung in den Jahren 2009/10 und die daraus resultierende Auszeit und Verarbeitung all dessen was geschehen war, setzte eine Zäsur. Ganz langsam und sachte ergab sich für mich anschließend ein Neuanfang mit Feuerzeremonien und Frauenschwitzhütten auf dem Platz einer Freundin, südlich von Berlin. Das zunächst ganz kleine Netzwerk von Frauenheilkreisen, begann auf natürliche Weise zu wachsen und sich auszudehnen. Aus ihm formte sich die 13 Monde Jahresgruppe für Frauen, die seit 2014 regelmäßig stattfindet –  in Buckow/ Märkischer Naturpark – und viele Frauen nachhaltig bewegt, gestärkt und in ihre Kraft gebracht hat. Nun ist es an der Zeit die Essenz der 13 Monde Medizin an die Jüngeren weiter zu geben.

Die besondere Kraft der „13 Monde Medizin“

Wir wollen unsere weibliche Kraft im geschützten Raum wiederentdecken, ausdrücken und in alle unsere Lebensbereiche und -phasen integrieren lernen um dem an sein Ende kommenden linearen Fortschrittsglauben mit seinem ständigen, atemlosen, dominiereden „Höher,Schneller,Weiter“ – Prinzip etwas Ausgleichendes und Balancierendes entgegen zu setzen: Empathie, Sanftheit, Gelassenheit und Natürlichkeit.

Wir wollen als Europäer/Innen das Alte Erd-Wissen mit seiner naturorientierten Spiritualität wieder erinnern, zusammentragen und neu praktizieren. Wir wollen aus den Wurzelkräften unserer vorchristlichen Vorfahren das uralte Wissen ziehen, um etwas Neu-Altes zu erschaffen, was uns in unserer modernen Zeit an die seit Angedenken gültigen Bedingungen des Lebens auf unserem Planeten „rückbindet“.

Wir wollen in Achtsamkeit für uns selbst und alle Lebewesen auf diesem Planten in Demut und Dankbarkeit seine Schönheit ehren, den ewigen Kreislauf von Werden und Vergehen wieder respektieren lernen und in gemeinsamer Anstrengung mit Hoffnung und Zuversicht den Schrecken und Bedrohungen entgegentreten, um immer wieder zu heilen, was zerstört wird.

This is the way of the spirit…

Beitragbild Foto: Cordula Tabitha Schindler