Indianische Vorbilder

Der Lebenstanz ist – wie die indianischen Sonnentänze – ein großes gemeinschaftliches Ritual für die Mysterien des Lebens unter freiem Himmel; er dauert vier Tage und Nächte (mit Ruhephasen) und ist eingebettet in ein Camp, auf dem Menschen einander begegnen und Gemeinschaft miteinander erleben können.

Die Absicht des Lebenstanzes ist es, uns den „Heiligen Kreis des Lebens“ wieder bewusst zu machen und unseren Platz darin zu erkennen. Der Heilige Kreis des Lebens ist die unendliche Schöpfungskraft im Universum und unser Einssein mit den Heiligen Zyklen von Werden und Vergehen.

Im Verlauf der Zeremonie können wir uns selbst, in der Lebenstanz-Gemeinschaft in freier Natur, gegenüber Sonne und Mond, den vier heiligen Richtungen und Mutter Erde auf tiefe Weise erfahren. In diesem Prozess ist es möglich, Heilung zu finden und Kraft zu entfalten, mit der wir allen unseren Verwandten (den Mitmenschen und allen anderen Wesen von Mutter Erde) dienen können.

Wie es dazu kam

Die Gestalt des Rituals und seine Choreographie nähren sich aus Erfahrungen mit Sonnentänzen der Nordamerikanischen Natives. In mir lebte von Anfang an die Vision, diese in unseren europäischen und zeitgemäßen Kontext zu übertragen und dafür eine eigene Zeremonie zu entwickeln.

Der Lebenstanz ist ein Teil der Regenbogenbrücke zwischen der Alten und der Neuen Welt, die durch den spirituellen Austausch zwischen Europäern und Amerikanischen Natives beider Amerikas in den letzten 20 Jahren entstanden ist. Denn so wie viele Europäer vom Wissen der Natives angezogen sind und sich auf den Weg zu Indianischen Ritualen wie Schwitzhütte, Visionssuche und Sonnentanz gemacht haben – so gibt es auch viele indianische Medizinleute der verschiedensten Stämme, die durch Visionen in den letzten Jahren nach Europa gerufen worden sind, um ihr Wissen und ihre Zeremonien hierher zu bringen, wie z.B. das Medizinrad.

Das Medizinrad als Symbol für den Heiligen Kreis des Lebens

Medizinräder sind überliefert aus den indianischen Kulturen Nord- und Südamerikas. Ähnliche Vorstellungen gibt es aber auch in anderen Alten Kulturen. Sie veranschaulichen die Komplexität von Erfahrungen als ständigen Kreislauf von stets miteinander und aufeinander wirkenden Kräften. Der Kreis hat keinen Anfang und kein Ende; er ist die Urform der Erfahrung dass alles mit allem zusammenhängt.

Den Grundfarben Rot, Gelb, Schwarz ( auch Blau oder Grün ) und Weiß und der Aufteilung des Kreises in vier ( oder mehr ) Segmente werden von Tradition zu Tradition unterschiedliche Kräfte zugeordnet.

Im Zentrum des Kreises befindet sich der Schöpfer des Universums bzw. das persönliche „Ich“, welches für sein eigenes Leben verantwortlich ist. Alle Lehren des Medizinrades enthalten Hinweise, wie die vier Abschnitte des Kreises miteinander in Balance gebracht werden können.

Medizinradlehren umfassen u.a. die Qualitäten der 4 Himmelsrichtungen, der 4 Elemente, der 4 Welten von Mutter Erde und vieles anderes mehr.

Gelb = Osten
Rot = Süden
Schwarz=Westen
Weiß = Norden

Indianische Medizinradlehren

Jeden Morgen geht die Sonne im Osten auf und bringt neue Aktivität. Ihre feurige Kraft lässt die Pflanzen wachsen, blühen, reifen. In manchen Weltgegenden ist ihre Feuerkraft so stark dass sie alles verbrennt. Das Feuerelement steht auch für den Geistesblitz, die Inspiration und die blitzartige Verwandlungskraft, die uns von einem Moment zum nächsten in einen neuen Erfahrungsraum schleudert. Die aufgehende Sonne am Ende einer langen kalten Nacht verheißt Hoffnung und Zuversicht.

Aus dem Süden kommen die warmen Winde und die Fülle von Mutter Natur mit ihrer verschwenderischen Schönheit von Grün und Blüten in tausend Farben und Formen. Hier ist der Sitz der Heiligen Quelle des Wassers des Lebens, das Reinigung bringt und die Herzen der Menschen berührt. Es ist der Platz, an dem die Menschen miteinander glücklich sind und das helle Lachen der Kinder erklingt. Hier lebt alles, was fließt: die Bäche und Flüsse als Adern der Erde, die Seen und Ozeane, in die alle Ströme einmünden. Aber auch Regen- und Schweißtropfen und das Blut als „heiliger Saft des Lebens“ sind Ausdruck des Großen Lebendigen Flusses.

Im Westen geht die Sonne unter und die Dunkelheit zieht herauf. Dies ist der Platz des Ruhigwerdens, des Rückzugs und der Innenschau, des Träumens und der Visionen. Es ist auch der Platz des Materialisierens, Reifens und Verwandelns. Alles geschieht langsam und von alleine in seinem eigenen Tempo. Es ist der geheimnisvolle Platz der unmerklichen Veränderung und des Zusammenhanges von Leben und Tod, von Sterben und Wiedergeborenwerden, von Anfang und Ende.

Aus dem Norden wehen die kalten Winde der Reinigung, der Klärung und der Erkenntnis. Diese Winde sind flexibel in alle Richtungen, sie fegen im Herbst die letzen Blätter von den Bäumen und legen die Essenz der Dinge frei. Sie schärfen unseren Blick und unsere Empfänglichkeit für das Wichtige, Wesentliche und helfen uns, klare Entscheidungen zu treffen. Hier ist der Sitz des Geistes aller Tiere, die als Wächter, Boten und Hüter auf einer geistigen Ebene mit den Menschen kommunizieren und sie begleiten können.

Die Vier Welten von Mutter Erde

Unser Leben findet auf der Erde statt, die als Erste Welt vor Jahrmillionen entstand. Die Kontinente bestehen aus riesigen Gebirgsstöcken mit Schichten kostbarer Mineralien, Felsen, Kieselsteinen, Sandflächen. Die Steine sind die Erste Welt von Mutter Erde. Sie nehmen Energie auf, speichern sie und geben sie zu einem anderen Zeitpunkt ab. Sie lehren uns Langsamkeit und Geduld, denn die Prozesse der Verwandlung haben ihre bestimmte Zeit.

Aus der Materie entstand die Zweite Welt, die pflanzlichen Wesen, wie Flechten, Moose, Gräser, Kräuter, Sträucher, Bäume, Wälder und schließlich Pflanzen, die ihre Früchte, Blätter und Wurzeln geben als Nahrung für Mensch und Tier. Sie lehren uns Schönheit, die unser Herz berührt. Mit ihren Lebenssäften ist die Kraft des Wassers, des Fließens, des Reinigen und Heilens verbunden.

In den Landschaften, gebildet aus Steinen und Pflanzen, finden in der Dritten Welt Tiere aller Arten ihren Lebensraum: die Geflügelten, die Kriecher und Krabbler, die Läufer und Schwimmer in den Bächen, Flüssen, Seen und Ozeanen. Sie lehren uns die Natürlichkeit einer unendlichen Vielfalt im Aussehen, in der Fortbewegung, im Sein.

Die Menschenwelt schließlich entstand als Vierte Welt. Jahrtausende lang lebten die Menschen trotz ihres von Pflanzen und Tieren unterschiedenen Bewusstseins als Teil der Erde, im Einklang mit ihren Gesetzen und Lebensbedingungen, erschufen differenzierte Gesellschaften und großartige Kulturen in den unterschiedlichsten Formen. Die positive Seite der Menschenwelt lehrt uns das Potential des menschlichen Geistes, seine Erfindungskraft und Spiritualität und seine Fähigkeit, den Tod zu akzeptieren.

Die vier Menschenalter

Wenn wir geboren werden, tauchen wir aus der Geborgenheit des Mutterleibes in unseren persönlichen Lebenskreislauf ein. Unser kindlicher Körper wächst und reift zum jugendlichen Körper heran, begleitet von heftigen Gefühlen und Erfahrungen. Unmerklich sind wir erwachsen geworden und beginnen unseren Platz in der Gesellschaft einzunehmen, werden erfolgreich und oft selbst zu Eltern. Wir selbst fließen im Kreis der auf- und untergehenden Jahre mit.

Wie schnell werden aus unseren Kleinkindern Jugendliche und junge Erwachsene. Ehe wir es uns versehen, sind wir selbst zu Großeltern geworden und blicken auf eine immer größere Zahl vorüber geflossener Jahre zurück. Unsere eigenen Eltern sind gealtert, werden hinfällig und sterben und wir rücken in der Hierarchie der Generationen an den Platz der Ältesten und beobachten unsere Kinder und Enkelkinder. Wir beginnen uns mit der Endlichkeit unserer Existenz immer bewusster auseinander zu setzen und bereiten uns auf das eigene Sterben vor. Wir wissen nicht, wann und wo und wie unser Leben zu Ende gehen wird; wir sind nur gewiss dass ein jeder von uns diesen Weg gehen muss.

Die vier Jahreszeiten

Wie wir im Rhythmus von Tag und Nacht, Morgen und Abend leben, ein- und ausatmen, ruhen und wachen, sehen wir die Mondin am Himmel auftauchen, rund werden und wieder verschwinden. Immer wieder wird es Frühling und Sommer, dann folgen Herbst und Winter. Das Licht steigt und fällt im Jahreskreislauf, auf die warmen folgen die kalten Monate.

Eben noch kamen die frischen jungen Blättchen und der üppige Blütenschmuck des Frühlings zum Vorschein, und schon ist es Hochsommer geworden mit den reifenden Kornfeldern und weißen Wölkchen am Blauen Himmel. Und noch ehe wir die sommerlichen Freuden so richtig genießen konnten, werden die Tage bereits schon wieder kürzer, in den Gärten und auf den Feldern prangt die Fülle der Früchte und Blüten. Schon bald verfärben sich die Blätter an den Bäumen und die ersten Herbststürme brausen über das Land. Bald fällt Schnee und die trüben kurzen Tage sind gefolgt von langen kalten Winternächten. Um die Weihnachtszeit naht die Wintersonnenwende und ehe wir es uns versehen zeigen sich doch schon wieder die ersten Schneeglöckchen, und wieder werden die Tage länger; Vögel singen in den Gärten ihr Frühlingslied und das Osterfest naht. So wechseln im Jahreskreis Licht und Dunkelheit, Werden und Vergehen, Schönheit und Verfall.

Den Heiligen Kreis ehren

Der Kreis des Lebens dreht sich seit dem Anbeginn der Zeiten und wird sich noch lang nach dem Erlöschen unseres persönlichen Lebens so weiterdrehen. Die vor uns lebten und aus denen wir geboren und erzogen wurden, unsere Ahnen, sind längst vergangen und alle die nach uns kommen, unsere Kinder und Kindeskinder und alle die noch geboren werden, werden so vergehen.

Unser Leben ist ein Geschenk, welches uns für eine Zeit gegeben wurde. Lasst uns achtsam und liebevoll damit sein! Lasst uns einander wieder daran erinnern, dass viele unserer jetzigen Entscheidungen für die Zukunft Bedeutung haben!

Für alle unsere Verwandten und für unsere Nachkommen der siebten Generation!